Tagebucheintrag von Hermann Bremer

Mai, 1945: Das war vielleicht knapp, Lammers hätte mich beinahe erwischt. Ja, die Angst war groß, als ich mich in der Kammer versteckt hielt. Lammers suchte nach mir und das wusste ich genau. Dieser Kerl machte mich jede Sekunde, mit jedem Schritt den er näher kam wahnsinnig und mein Herz sprang wie verrückt. Ich hörte nicht viel, aber ich wusste, dass Lena ihn sicherlich ablenken würde. Als Er sich von mir abwandte und in Richtung Küche ging, was ich durchs Schlüsselloch sah, war ich sehr erleichtert. Doch es dauerte nicht lange und meine Erleichterung verwandelte sich zurück in Panik. Ich sah seine Militärkleidung, seine Gasmaske und seine Stiefel immer näher auf mich zukommen. Ich musste mich zusammenreißen und tief Luft holen. Endlich kehrte Lammers wieder um und unterhielt sich anscheinend noch mit Lena, aber worüber sie sprachen, verstand ich nicht komplett. Nur einige Wörter, die ich hörte enttäuschten mich und ließen mich zweifeln. Ich wusste, dass ich Fahnenflucht begangen habe, aber ich frage mich, ob Lena mir was verschwiegen hat...

19.12.15 12:43, kommentieren

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Biographie der Lena Brücker

Hallo, ich bin Lena Brücker und nicht mehr die Jüngste. Woher ich komme? Na aus Deutschland und lebe seit sehr jungen Jahren in Hamburg, allerdings heutzutage in einem Altersheim.Früher hatte ich schönes, weiches blondes Haar, blaue leuchtende Augen und groß war ich schon immer. Mit 43 trug ich meist eine Kochschürze, einen Rock und malte mir Feinstrumpfhosen auf. Warum die Kochschürze? Erklär ich später. Jetzt trage ich jedoch Pullis, weite braune Hosen und Filzhausschuhe. Mein Haar? Es ist grau bis weiß würde ich sagen und meine Augen? Nun ja, ich bin schon fast blind. Die im Altersheim sagen, meine blauen Augen seien fast durchsichtig und so klar. Ich weiß nicht mal, ob das überhaupt noch gesund ist. Gebrechlich? Natürlich bin ich das und alles fühlt sich so schwer an. Damals war alles noch so einfach, ich war in Schwung und hatte genug Kraft. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie schwierig alles mit dem Alter sein kann. Und jetzt? Seht mich an. Ich habe damals viele Fehler gemacht, die ich viel zu spät eingesehen habe.Wenn ich auf die Vergangenheit zurückblicke, kommen schöne und unschöne Erinnerungen hoch. Ich war verheiratet, hatte 2 Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Mein Mann? Der hieß Willi, aber alle nannten ihn Gary, wie Gary Cooper. Er verließ mich, hatte endlose Affären und meine Kinder waren schon erwachsen. Und ich? Tja, ich war dann eine lange Zeit alleine. Bis ich dann mit Glück auf einen jungen Bootsmann traf. Sein Name? Hermann Bremer. Der war viel jünger als ich, müsste 24 gewesen sein. Da machte ich einen großen Fehler. Ich nahm ihn zu mir mit, wir hatten eine Affäre und ich log ihn an. Wieso? Ich war nicht mehr alleine und wollte nicht, dass er im Krieg weitermacht. Und als der Krieg endete, log ich Hermann immer weiter an. Er sollte nicht gehen.Ich nutze meine Vorlieben, wie das Kochen, um ihn zu behalten und verlor mich in meinen Gefühlen. Damals arbeitete ich in der Kantine und Jahre später, hatte ich die Imbissbude und dort war die Kochschürze nötig. Das alles ist schon sehr lange her. Jetzt gehört zu meinen Vorlieben das Stricken. Und Bremer? Den vermisse ich am meisten.

19.12.15 12:28, kommentieren